Berlin – Die deutsche Zulieferindustrie dürfte nach Einschätzung von China-Experten in den kommenden Jahren stärker ins Visier chinesischer Unternehmen geraten. „Chinesische Investoren werden ganz klar kommen, und zwar sehr viel stärker als bisher“, sagte Nikolaus Reinhuber, China-Experte bei der Kanzlei Baker & McKenzie, auf dem Kongress der Automobilwoche in Berlin. Übernahmekandidaten seien dabei zunächst Zulieferer und hier vor allem Unternehmen im Technologiebereich. Den Einstieg bei einem großen europäischen Autohersteller erwartet Reinhuber in der nächsten Zeit hingegen nicht. Dafür fehle es an der nötigen Managementkapazität.
Laut Reinhuber verfolgen die chinesischen Staatsunternehmen bei Akquisitionen eine langfristige Strategie: „Ein chinesisches Sprichwort sagt ‚Wir kommen leise und wir bleiben leise“, sagte der Partner der Kanzlei. Der Einstieg eines chinesischen Investors habe im Vergleich zur Übernahme durch einen US-Konzern für das deutsche Management sogar Vorteil. Denn während US-Unternehmen die deutsche Unternehmensführung meist durch eigene Manager ersetzten, hielten die chinesischen Investoren am alten Management fest. „Sie haben gar nicht die Leute dazu, daher ist der Verbleib des deutschen Managements eine conditio sine qua non“, also eine unabdingbare Voraussetzung.
Berlin – Russlands größter Nutzfahrzeughersteller GAZ sieht sich noch nicht für den deutschen Markt gewappnet. „Wir sind noch nicht bereit“, sagte Bo Inge Andersson, Vorstandsvorsitzender der GAZ-Gruppe, am Mittwoch auf dem Kongress der Automobilwoche in Berlin. Viel Zeit brauche sein Unternehmen dafür aber nicht mehr, „vielleicht ein oder zwei Jahre“, sagte Andersson, der mit harten Einschnitten den ehemals verlustträchtigen Fahrzeugbauer wieder in die Erfolgsspur gebracht hat. In Polen könne GAZ schon morgen in den Wettbewerb einsteigen, für Märkte wie Deutschland oder Schweden habe man aber aktuell keine Ambitionen, sagte der gebürtige Schwede.
Berlin – Deutschlands Autobauer müssen trotz ihrer erheblichen Marktchancen im Zuge der Globalisierung auf ihre Schwachpunkte achtgeben. „Die Achillesferse der deutschen Hersteller sind die Kleinstwagen-Modelle“, sagte Felix Kuhnert, Partner des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers, heute in Berlin beim Kongress der Wirtschafts- und Branchenzeitung Automobilwoche. Selbst der VW-Kleinwagen Up sei für die meisten Wachstumsmärkte mit einem Basispreis von knapp 10.000 Euro zu teuer im Vergleich zu Wettbewerbsfahrzeugen, betonte Kuhnert vor den 300 Teilnehmern des Kongresses. Hyundai, Suzuki oder auch Honda würden vergleichbare Minis zu Preisen schon ab 3.500 Euro anbieten. Auch die für bestimmte Märkte geplante Billig-Version des Up für knapp 7.000 Euro sei noch zu teuer, um im Kleinstwagensegment größere Marktanteile erobern zu können.
Berlin – Die Bedeutung von Smart im Daimler-Konzern nimmt nach den Worten von Unternehmenschef in Annette Winkler vor allem durch die massive Veränderung der globalen Rahmenbedingungen immer weiter zu. „Wir brauchen andere Autos – aber der Wunsch nach Mobilität bleibt. Smart ist die kleinste automobile Denkfabrik der Welt“, sagte die Smart-Chefin auf dem fünften Kongress der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche in Berlin. Insgesamt sieht die Managerin die Marke auf einem guten Weg: Im kommenden Jahr will Smart einen vollelektrischen Zweisitzer auf den Markt bringen, bei dem die Batterie gesondert geleast wird. Außerdem soll die Marke stärker als Premiumprodukt positioniert werden und weiter Vorreiter bei neuen Mobilitätskonzepten sein.
München – BMW wird seine Abhängigkeit von Deutschland und Westeuropa weiter verringern. „Noch im Jahr 2002 produzierten wir etwa 70 Prozent unseres Absatzes in Deutschland, Ende 2010 waren es 62 Prozent. Inzwischen sind es nur noch 58 Prozent. Und die Verteilung wird sich mittelfristig weiter in Richtung 50:50 verschieben, wenn man allein unsere Pläne für China und USA betrachtet“, sagte BMW-Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt im Gespräch mit Fachzeitschrift Automotive News Europe.