Oberpfaffenhofen – Trotz sich eintrübender Konjunkturprognosen rechnet die deutsche Automobilbranche lediglich mit weniger Wachstum und nicht mit einer tiefgreifenden Krise. „Wir legen die Bremsbeläge schon mal leicht an, um auf eine mögliche Verzögerung vorbereitet zu sein“, sagte Boschs Automotive-Chef Bernd Bohr der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche. „Wir sehen schon, dass sich das Wachstum abflacht.“ Das höchste Wachstum habe Bosch dieses Jahr im ersten Quartal gehabt. „Wenn wir uns die Abrufe ansehen, spüren wir aber noch keinen Abschwung – bis auf einzelne Märkte.“
BMW sieht laut Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt bislang ebenfalls „keine Krisenanzeichen“, ist aber gewappnet: „Einen Volumenabschwung von 20 bis 30 Prozent können wir abfedern, ohne in die roten Zahlen zu gelangen.“ Der Konzern habe aus der vergangenen Krise gelernt und würde eine ähnliche Situation „deutlich besser überstehen“, auch dank modernster Arbeitszeitmodelle. Ein Opel-Sprecher verwies auf die europäische Schuldenkrise, die sich negativ auf die Prognosen für den Automobilmarkt auswirke: „Deshalb werden wir genau beobachten und analysieren, wie stark und wie anhaltend der Marktrückgang ist, um dann bei Bedarf mit Produktionsanpassungen reagieren zu können.“
Daimler erwartet weltweit zwar weiter wachsende Automobilmärkte, allerdings „mit merklich geringerer Dynamik als im Vorjahr“, betonte ein Sprecher. „Das Risiko eines Double-Dip, ist im Laufe des Jahres zwar gestiegen, dennoch ist ein starker Abschwung immer noch das unwahrscheinlichere Szenario.“ Die Produktion bei Mercedes-Benz laufe weiter auf Hochtouren und auch für die nächsten Monate erwarte die Pkw-Sparte hohe Produktionsraten.
Willi Dietz vom Geislinger Institut für Automobilwirtschaft warnte unterdessen in der Automobilwoche: „Das größte Konjunkturrisiko ist derzeit, die Krise herbeizureden.“
München – Volkswagen hat im dritten Quartal 2011 in Deutschland 60,1 Millionen Euro in Werbung investiert, eine Steigerung von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dahinter folgen Renault (38,3 Millionen Euro), Opel (33,2), Daimler (30,8) und Toyota (29,4), berichtet die Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche unter Berufung auf das Marktforschungsinstitut Nielsen Research. Insgesamt hat der Kfz-Markt im dritten Quartal 496,8 Millionen Euro für Werbung in TV, Hörfunk, Zeitungen, Zeitschriften, Kino, Plakat und Internet ausgegeben. In den ersten neun Monaten wurden insgesamt 1,535 Milliarden Euro investiert, das entspricht einer Steigerung um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zum Kfz-Markt zählt Nielsen Pkw, Nutzfahrzeuge, Zweiräder, Reisemobile, Autohandel und -zubehör sowie die Reifenbranche.
Berlin – Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) macht zu wenig weibliche Vorbilder in den Führungsetagen der Industrie für das mangelnde Interesse von Frauen für technische Studiengänge verantwortlich. „Wer stellt sich schon an einer Schlange an, in der nichts vorwärts geht?“, sagte die CDU-Politikerin im Interview mit der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche. Zudem gebe es in „den unteren Hierarchieebenen technischer Unternehmen“ einen „ganz ordentlichen Frauenanteil“. Dieser Prozentsatz müsse so gefördert werden, „dass er auch in die Chefetage vorrückt.“
Oberpfaffenhofen – Führende Frauen der Autobranche haben sich in einer Umfrage der Automobilwoche gegen die Einführung einer Frauenquote ausgesprochen. „Wir wollen die Quote nicht und halten sie nicht für hilfreich. Die Unternehmen können immer nur so weit sein, wie die Gesellschaft ist“, erklärte Brigitte Kasztan, Diversity-Managerin bei Ford of Europe und Ford Deutschland, der Branchen- und Wirtschaftszeitung. Rita Forst, Entwicklungschefin von Opel, sagte: „Ich habe Karriere gemacht, weil ich gut bin und nicht weil ich eine Frau bin.“ Die Frage zu einer Frauenquote erübrige sich nach ihrer Meinung damit.