Produktionsvorstand Macht: Entscheidung fällt „im nächsten halben Jahr“
München – Für ein neues Werk in Nordamerika bevorzugt Audi einen Standort in Mexiko. Wegen der geringeren Lohnkosten und der Möglichkeit, die Autos zollfrei in die USA, nach Südamerika oder Europa zu exportieren, sei Mexiko derzeit die erste Wahl, erfuhr die Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche aus dem Unternehmen. Michael Macht, Konzern-Produktionsvorstand der Audi-Mutter Volkswagen, bestätigte gegenüber dem Blatt, dass einiges für Mexiko spreche. „Es gibt aber auch Argumente dagegen“, so Macht: „Zieht man von dem Land die Gegenden ab, die Erdbeben- oder Hurrikan-gefährdet sind und wo die Sicherheitslage schwierig ist, bleibt nicht mehr viel.“ In den sicheren Gebieten existierten bereits einige Werke: „Dementsprechend hoch ist dort das Lohnniveau – und die Arbeitskräfte sind knapp.“ Eine Entscheidung über den Standort würde im nächsten halben Jahr fallen.
Weitere Vorteile Mexikos: Neben geringeren Lohnkosten ist der Warenaustausch in die EU zollfrei. Dagegen wird auf in den USA gefertigte Fahrzeuge beim Transport nach Europa zehn Prozent Importzoll erhoben. Auch in dem Wirtschaftsverbund Mercosur zwischen Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay unterliegt der Austausch von Teilen und Autos mit Mexiko keinem Zoll. VW-Konzernchef Martin Winterkorn jedoch soll sich intern aus Image-Gründen für einen Standort in den USA, zum Beispiel in der Nähe des neuen VW-Werkes Chattanooga ausgesprochen haben: Ein Werk in den USA könnte dort den Absatz beflügeln. Der Absatz von Audi in den USA liegt weit hinter dem von BMW und Mercedes zurück.
Eine Produktion rechnet sich für Audi mit einem Modell, von dem mindestens 150.000 Einheiten jährlich abgesetzt werden und die weltweit identisch sind. Intern wird der Q5 als Favorit gehandelt, der sich 2011 176.000 mal verkaufte. Wird dagegen der A4 in Nordamerika produziert, spräche das für einen Standort in den USA. Dort würden die Limousinen für den lokalen Markt gebaut, parallel würde der A4 weiterhin in Deutschland gefertigt. Vom A4 liefen 2011 rund 325.000 Fahrzeuge vom Band.
Mercedes strebt in den Vereinigten Staaten ein Absatzwachstum von mehr als 20 Prozent an. „Mittelfristig erwarten auch wir 300.000 verkaufte Autos der Marke Mercedes-Benz jährlich – vor allem dank unserer neuen Kompakt-Wagen-Familie“, sagte Mercedes-Benz Vertriebs- und Marketing-Vorstand Joachim Schmidt der Fachzeitschrift Automotive News Europe.
General Motors will den Absatz seiner deutschen Tochter Opel in China 2012 um etwa zehn Prozent steigern. „Vergangenes Jahr haben wir rund 5.000 Einheiten in China verkauft, dieses Jahr erwarte ich rund 5.500. Opel wird mit dem Markt wachsen“, sagte Kevin Wale, President und Managing Director von GM China, der Fachzeitschrift Automotive News Europe.
Wolfsburg – VW-Vorstandschef Martin Winterkorn will die Kernmarke Volkswagen für den 2012 absehbar schärferen Wettbewerb rüsten und den gesamten Konzern mit einer großen Technologieoffensive für die Zukunft wappnen. „Wir spüren eines immer deutlicher: Wer an der Spitze fährt, hat viele Gegner“, zitiert die Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche aus einer Mitteilung Winterkorns an seine Führungskräfte. „Unsere Wettbewerber attackieren Volkswagen überall auf der Welt“. Der Topmanager sieht demnach VW inzwischen gar vor der „größten Herausforderung, die je ein Autohersteller zu bestehen hatte“. Winterkorn kündigt daher intern an: „Wir werden Volkswagen in den nächsten Jahren komplett neu aufstellen: ökonomisch und ökologisch! Mit neuen Technologien und Modellen, in neuen Märkten, mit neuen Fabriken und mit Investitionen in einem Ausmaß, wie es sie noch nie gegeben hat.“
Stuttgart – Die Angst vor dem Platzen der Immobilienblase in China drückt auch die Nachfrage nach teuren Luxusfahrzeugen aus Deutschland. Das auf China spezialisierte Prognose- und Beratungsunternehmen JSC rechnet in diesem Jahr mit einem Einbruch der Importe von 15 Prozent auf 850.000 Einheiten. „Dies wird sich vor allem auf die Gewinne der internationalen Hersteller auswirken, selbst wenn sie im Gesamtabsatz in China zulegen“, sagte JSC-Experte Jochen Siebert im Gespräch mit der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche. Davon besonders betroffen sind die deutschen Hersteller BMW, Mercedes und Porsche sowie internationale Luxusmarken wie Lamborghini, Ferrari und Bentley.