Die deutsche Industrie steht unter Druck. Hohe Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie, globale Überkapazitäten, Investitionsstau. Vermutlich ist die Liste deutlich länger. Fakt ist: die deutsche Wettbewerbsfähigkeit und unsere Arbeitsplätze sind in Gefahr. Hinzu kommen die Konflikte im Nahen Osten und der Ukraine, die die Sicherheit der Energieversorgung bedrohen und die Preise steigen lassen.
Analysten beschreiben die Situation damit, dass die Unsicherheit an den Märkten praktisch mit Händen zu greifen ist.
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Eigentlich hatte man den Eindruck, dass die deutsche Wirtshaft auf einem guten Weg ist. Die Auftragsbücher haben sich langsam wieder gefüllt, Unternehmen haben Fachkräfte eingestellt, die Signale waren erkennbar. Aber ob der ersehnte Aufschwung wirklich kommt, hängt auch von der Energie- und Industriepolitik der Bundesregierung ab.
Tilman Kuban, europapolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, sagt, wir haben uns viel zu lange in einer Phase der Sicherheit geglaubt. Aber diese Zeiten seien vorbei.
O-Ton Kuban: „Wir erleben eine Zeitenwende, die nicht allein die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes betrifft, sondern viel mehr Bereiche. Den Bereich Energiepolitik, in Fragen des Marktes, in Fragen der Bürokratie und deswegen müssen wir jetzt umsteuern. Sehr konsequent und sehr, sehr schnell. Dann bleiben wir ein starker Wirtschaftsstandort.“
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Gerrit Riemer, Leiter der Government Affairs Deutschland bei ThyssenKrupp Steel Europa, fordert vor diesem Hintergrund viel mehr Tempo – und ein klares Bekenntnis zu deutschen und europäischen Produkten.
O-Ton Riemer: „Wofür wir uns einsetzen, sowohl bei Thyssen Krupp als auch als ganze Stahlindustrie, dass man gerade bei öffentlichen Aufträgen, die aus Steuergeldern finanziert werden, dann natürlich auch sagt, dann wollen wir auch gucken, dass europäische Produkte eingesetzt werden.“
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Einen ungewöhnlichen Widerspruch beobachtet die Zeitarbeitsbranche. Ganze Industrien werden abgebaut, Beschäftigte werden freigesetzt, gleichzeitig erleben wir einen Fachkräftemangel. Sven Kramer, Sprecher der Geschäftsführung der PEAG Holding GmbH, sieht dafür vor allem eines Grund:
O-Ton Kramer: „Es gehen Arbeitsplätze verloren, weil sich Strukturen ändern, weil weiter automatisiert wird, weil digitalisiert wird. KI wird immer stärker integriert in Produktionsprozesse und das erfordert andere Qualifikationen als sie heute da sind. Wir müssen die Leute weiterqualifizieren, damit sie morgen dem Arbeitsmarkt noch zur Verfügung stehen.“
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Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass sich Deutschland aus seiner Komfortzone herausbewegen muss – je schneller desto besser.
Stefanie Baron. Berlin. Länge: 1:40